Fragen



Hier folgen einige Fragen und Antworten zum Thema Klavier und Klavierstimmen. Wenn Sie mehr Fragen haben, können Sie mir gerne eine eMail schicken.

Wie oft sollte ich mein Klavier stimmen lassen?    
Warum verstimmen sich Klaviere?   
Was ist der Kammerton A?   
Wie lange dauert eine Klavierstimmung?   
Sind Risse im Resonanzboden schlimm?   
Was bedeutet Wartung und Regulierung?   
Was ist der Unterschied zwischen Klavierstimmern und Klavierbauern?   
Wie kann ich meinem Klavierstimmer das Leben leichter machen?   
Kann ich mein Klavier auch selber stimmen?   



Wie oft sollte ich mein Klavier stimmen lassen?

Die Stimmhaltung kann je nach Bauweise, klimatischen Bedingungen des Standortes, Pflege und Gebrauch des Klaviers stark differieren. In der Regel fügen Sie Ihrem Klavier keinen erheblichen Schaden zu, wenn Sie es jahrelang nicht stimmen lassen. Sie sollten jedoch überlegen, ob Sie Ihr Gehör an eine falsche Stimmung gewöhnen wollen. In meiner Berufspraxis bin ich Klavierbesitzern begegnet, die ihr Klavier nach der Stimmung nicht mehr so recht als das Ihre anerkennen wollten, eben weil sie sich an die zum Teil starken Verstimmungen gewöhnt hatten.
Auch kann es bisweilen vorkommen, dass sich kleinere technische Mängel, die bei regelmäßiger Wartung leicht beseitigt werden können, zu größeren Schäden auswachsen.
Wenn Sie sich selbst Gutes tun wollen, sind Sie gut beraten, Ihr Instrument einmal jährlich stimmen zu lassen.
Neuinstrumente sollten häufiger gestimmt werden, weil hier die Seitennachdehnung erheblich an der Verstimmung beteiligt ist.
Auch Klaviere auf Fußbodenheizungen bedürfen einer häufigeren Wartung.



Warum verstimmen sich Klaviere?

»Das Klavier ist verstimmt. Ach, worüber denn?« fragte einst Heinz Erhardt. Bis heute können wir diese Frage leider nicht beantworten.
Jedoch wissen wir, wodurch sich ein Klavier verstimmt: am Wenigsten durch den normalen Gebrauch. Selbst das Tastenhämmern ausgelassener Kinder kann der Stimmung eines Klaviers nicht viel anhaben, es sei denn, dies wäre täglich stundenlang der Fall.

Bei einem intakten Instrument haben grundsätzlich zwei Faktoren wesentlichen Einfluss auf die Stimmhaltung:

Das Holz arbeitet

Klaviere bestehen zu einem großen Anteil aus Holz. Und Holz nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Wird Wasser aufgenommen, dehnt sich das Holz und bei Abgabe von Feuchtigkeit zieht es sich wieder zusammen.
Durch das Arbeiten des Holzes werden die Saiten gedehnt, bzw. die Spannung lässt nach. Jede Spannungsveränderung der Saite bewirkt eine Verstimmung. Leider passiert diese Verstimmung nur selten gleichmäßig über alle Saiten, so dass das sich die Stimmung nicht nur in der Tonhöhe ändert, sondern auch in sich verstimmt.

Der Saitendraht dehnt sich
Gerade bei jüngeren Instrumente bis ca. 10 Jahre dehnt sich der Saitendraht unter der starken Zugbelastung. Da pro Saite eine Zugkraft von bis zu 1200 N (entspr. ca. 120 kg) wirkt, ist dies nicht weiter verwunderlich.
Die Benutzung, also das Klavierspiel selber, trägt bei einem normalen Spieler nur wenig zum Verstimmen bei. Anders sieht es bei professionellem Gebrauch eines Instruments aus.

Was ist der Kammerton?

Als Kammerton wird der durch eine bestimmte Frequenz definierte Ton bezeichnet, nach dem Instrumente gestimmt werden. 

In der Musik ist die Tonhöhe die Höhe oder Tiefe eines Klanges. Die Tonhöhe hängt von der Schwingungsfrequenz ab, d. h. je größer die Frequenz einer Schwingung ist, desto höher ist der entsprechende Ton. 

Die Festlegung einer bestimmten Tonhöhe als Stimmton hat sich über die Jahrhunderte hinweg immer wieder gewandelt. Während der Renaissance wurden Holzblasinstrumente so gebaut, dass das eingestrichene a (a1) eine Frequenz von rund 446 Hz (Hertz) hatte (d. h. 446 Schwingungen pro Sekunde). Bei Orgeln wichen die Stimmtöne stark voneinander ab. Holzblasinstrumentenbauer verwendeten im ausgehenden 17. Jahrhundert die Stimmtöne von Pariser Orgeln und legten damit den Standard für das folgende Jahrhundert bei a1 = 415 Hz fest (d. h. rund einen Halbton unter dem heutigen a1). Im späten 18. und 19. Jahrhundert baute man Instrumente für Ensembles und Orchester mit immer höheren Stimmtönen, so dass das a1 Mitte des 19. Jahrhunderts bereits bei 452 Hz („alter philharmonischer Stimmton") lag. 

Man versuchte nun, einen Standard für den Stimmton festzuschreiben. Zu diesem Zwecke trat 1858 bis 1859 eine französische Kommission aus Musikern und Wissenschaftlern zusammen. Die Kommission entschied sich für a1 = 435 Hz, den damals häufig verwendeten französischen Stimmton. Im Jahre 1885 wurde dieser vom Kongress von Wien, einer internationalen Konferenz für den Stimmton, offiziell bestätigt. Der Ton mit dieser Tonhöhe wurde seitdem als Kammerton, im französischen als "Diapason", im Englischen als "standard pitch" bezeichnet. 

1939 wurde der Kammerton neu auf a1 = 440 Hz festgelegt, was sich aber nicht in allen Länder durchsetzte. So setzte die Pariser Académie des Sciensces 1950 den Kammerton für Frankreich auf a1 = 432 Hz herab. In den USA wird hingegen bisweilen mit einem Kammerton von a1 = 450 Hz gearbeitet. Für Deutschland und österreich gilt jedoch auch heute noch der Kammerton a1 = 440 Hz.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Kammerton immer höher angesetzt, um insbesondere im orchestralen Bereich eine höhere Brillanz zu erreichen. Führend dabei war insbesondere Herbert von Karajan.



Wie lange dauert eine Klavierstimmung?

Eine Klavierstimmung kann ein bis drei Stunden dauern. Das hängt ganz vom Grad der Verstimmung und vom sonstigen Zustand des Instrumentes ab. Bereits bei einem Absinken des Kammertons um mehr als zwei Hertz ist eine Vorstimmung erforderlich. Versucht man dennoch, das Instrument in einem Durchgang zu stimmen, ist die Stabilität der Stimmung nicht gewährleistet. Bei starken Verstimmungen von mehr als einem Viertelton ist in der Regel eine Nachstimmung nach einigen Wochen erforderlich.
Der Grund für die Notwendigkeit der Vorstimmung ist folgender:
Die Reibungskräfte am Steg verhindern, daß die Spannungsveränderung des klingenden Teils der Saite vollständig an den nicht klingenden Abschnitt zwischen Steg und Saitenaufhängung weitergegeben wird. Es besteht demnach eine Spannungsunterschied. Dieser wird dann ausgeglichen, wenn noch weitere Saiten gestimmt worden sind. Denn jetzt üben alle gestimmten Saiten gemeinschaftlich einen Zug auf den Steg aus, wodurch dieser eine Kippbewegung in Richtung des Saitenzuges macht. Dadurch sinken Spannung und Tonhöhe des klingenden Saitenabschnitts. Und der so veränderte Bereich muß erneut gestimmt werden. Steg

Sind Risse im Resonanzboden schlimm?

Nicht wirklich. Die Schallleitfähigkeit des Resonanzbodes wird in quer zur Faserrichtung durch die an der Rückseite des Bodens angeleimten Rippen gewährleistet, weshalb die inLängsrichtung verlaufenden Risse den Klang nur unwesentlich beeinflussen (in systematischen Untersuchungen der physikalischen Bundesanstalt Braunschweig konnte dies erhärtet werden). Auch in den Resonanzboden gedrehte Schrauben oder bautechnisch bedingte kreisrunde Löcher können die schönen Klangeigenschaften eines Klaviers nicht zerstören. Von erheblich unvorteilhafterer Wirkung ist das Abflachen des Resonanzbodens, wodurch die Saitenschwingung nicht mehr ausreichend übertragen werden kann, ebenso, wenn sich der Resonanzboden von den Rippen löst und es zu Nebengeräuschen kommt. Solange Ihnen jedoch der Klang Ihres Instrumentes gefällt und die Stimmhaltung gut ist, besteht kein Handlungsbedarf, es sei denn, Sie favourisieren aus ästhetischen Gründen eine Reparatur durch einen Fachmann.
Auch sind Resonanzbodenrisse ein Hinweis auf eine zu geringe Luftfeuchtigkeit, die sich negativ auf die Stimmhaltung durch die Stimmwirbel und sämtliche Verschraubungen des Klaviers auswirkt.

Was bedeutet Wartung und Regulierung?

Durch den Gebrauch und die Einflüsse des Raumklimas kommt es zu Veränderungen in den mechanischen Abläufen des Klaviers. Deshalb müssen, um eine optimale Spielbarkeit zu gewährleisten, regelmäßig bestimmte Einstellungs- (Regulations-) Arbeiten vorgenommen werden. Wir alle kennen dies vergleichbar von Autoinspektionen.

Was ist der Unterschied zwischen Klavierstimmern und Klavierbauern?

Klavierbauer ist eine staatlich anerkannte Berufsbezeichnung, die nur durch eine entsprechende Ausbildung und Prüfung erworben werden kann. Klavierstimmer darf sich jeder nennen. Nicht notwendigerweise leisten Klavierstimmer schlechtere Arbeit als Klavierbauer. Nur sind die Voraussetzungen durch eine dreieinhalbjährige Lehre, in der neben Klavierstimmung auch alle gängigen Wartungs- Regulations- und Reparaturarbeiten vermittelt werden, in der Regel erfolgversprechender. Letztlich müssen Sie selbst entscheiden, wem Sie Ihr Vertrauen schenken.

Wie kann ich meinem Klavierstimmer das Leben leichter machen?

Sorgen Sie dafür, dass das Klavier frei zugänglich ist.
Verschieben Sie das Staubsaugen Ihrer Wohnung auf einen anderen Zeitpunkt.
Verzichten Sie für die Dauer meiner Anwesenheit auf Radio-, CD- und Fernsehgenuss in meiner Hörweite.
Versuchen Sie nicht, mich während meiner Arbeit in politische oder philosophische Diskussionen zu verwickeln.

Kann ich mein Klavier auch selber stimmen?

Klavierstimmen ist eine Fähigkeit, die jeder erwerben kann, der über ein normales Gehör und genügend Ehrgeiz und Ausdauer verfügt.
Die Betonung liegt hierbei auf dem Wort Erwerb. Klavierstimmer sind keine musikalischen Genies, die ihre Fähigkeit in die Wiege gelegt bekamen.
Klavierstimmen erfordert zudem nicht nur ein geschultes Gehör, sondern ist auch eine handwerkliche Arbeit, die ein sehr differenziertes Muskelspiel, feinste Bewegungen und ein genaues Gespür für den optimalen Sitz der Stimmwirbel beinhaltet. Die ersten Stimmungen, die ein Klavierbauer ausführt, sind in der Regel nicht gut und noch weniger haltbar. Eben deshalb macht er seine Versuche im Rahmen seiner Ausbildung und nicht an Kundeninstrumenten.
Wenn Sie sich wirklich einmal selbst daran versuchen wollen, dann tun Sie es, wenn Sie eh vorgehabt hätten, Ihren Stimmer zu bestellen. Aber Vorsicht: Gerade bei älteren Instrumenten besteht die Gefahr, dass Saiten reißen.



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